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Die Leiden des jungen Werther

von: Montgomery21    

Autor : Johann Wolfgang Goethe
Goethes Werther ist in Form von Briefen verfasst und kann als erster moderner Liebesroman bezeichnet werden. Das Werk erschien 1774 in einer Literaturepoche, die als Sturm und Drang oder Geniezeit bekannt ist. Die Urkraft der Worte, mit der der Autor seine Geschichte schildert, entwickelte sich zur Initialzündung des Sturm und Drang, einer kraftvollen literarischen Gegenbewegung zur vernunftorientierten Aufklärungszeit.
Das Buch traf den Zeitgeist, weil es Empfindungen und Gefühle bewusst gegen die Rationalität der Aufklärungszeit setzte. In allen Bevölkerungsschichten seiner Zeit gehörte der roman zur Pflichtlektüre, weil er den geneigten Leser auf zwei Arten emotional berührte. Auf der einen Seite empfanden die Leser für die unglücklich verliebte Hauptfigur Mitgefühl, dessen komplizierte Gefühlswelt ihn zugleich liebens- und bedauernswert machte. Auf der anderen Seite konnte der Briefroman gleichzeitig auch als Anklage an die Standesgesellschaft verstanden werden, die den individuellen Nöten und Bedürfnissen des Einzelnen keinen Raum gestattete.
Bis zu einem bestimmten Grad beruht die Handlung des Romans auf Ereignissen, die der Autor selbst durchlebt hat, was zu der Schlussfolgerung führen muss, dass hier autobiografische Züge verarbeitet wurden. So trivial die Geschichte im ersten Moment auch klingen mag, umso gravierender waren die Folgen für eine ganze Generation. Vor allem der Klerus stieß sich nicht nur daran, dass in dem Roman ein Selbstmord thematisiert wurde, sondern vielmehr, dass hierfür auch noch Verständnis vom Leser gefordert wurde.
Diese Provokation gegen die Moral wurde noch verstärkt, als in der Folge vermehrt Suizidfälle bekannt wurden, die offensichtlich durch den Roman inspiriert waren. Die Opfer verübten den Freitod nämlich in der Werther-Kluft und teilweise mit dem Büchlein in der Tasche. Der Autor distanzierte sich von diesen Ereignissen und wehrte sich gegen den Vorwurf, sein Roman könne als ein Leitfaden für Leidensgenossen gebraucht werden.
Der so genannte „Werther-Effekt“ ist in Anlehnung an diesen Roman im 20. Jahrhundert in die Soziologie aufgenommen worden. Dabei handelt es sich um einen Freitod, der nach Vorbildern in den Medien verübt wird.
Veröffentlicht am: März 16, 2006
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