Schulen sollten Verantwortung über die Kinder übernehmen und die Methoden durchfallen lassen, die nicht funktionieren und nicht die Kinder. Kinder sind Meister darin, dem Lehrer die richtige Antwort zu entlocken: Sie sind Meister punkto Körpersprache, Stimmlage, Mimik und Gestik.
Die Hauptsache für ein Schulkind ist, mit einem Minimum an Anstrengung und Unannehmlichkeiten die täglichen Aufgaben irgendwie hinter sich zu bringen. Das Wesentliche dabei ist nicht das
Lernen.
Es ist nicht die Aufgabe des Lehrers, fortwährend nachzuprüfen, was die Lernenden verstanden haben. Das ist die Aufgabe des Lernenden und nur sie können es tun. Der Lehrer ist dazu da, Antworten zu geben, wenn die Schüler ihn fragen, oder Schülern zu helfen, besser zu verstehen, wenn sie ihn um Hilfestellung bitten. Schule ist für viele Kinder ein Ort der Bedrohung, und ihre Aufgabe ist es, außerhalb der Gefahrenzone zu bleiben. Ihre Aufgabe war nicht Lernen, sondern Entkommen.
Was Kinder brauchen, ist die Erfahrung, auch einmal etwas wirklich gut gemacht zu haben – so gut, dass sie es selbst merken, ohne darauf hingewiesen zu werden. Kinder, die Fahrradfahren lernen, denken nicht bei jedem Umfallen: „Ich habe schon wieder versagt“, sonder höchstens: „Hopsa, es klappt noch nicht, versuch es noch mal.“ Die Freude liegt in der Sache selbst, dem Fahrradfahren, nicht in irgendeiner Vorstellung von Erfolg.
Schüler mit den schlechtesten Leistungen sind oft die ersten, die ihre Arbeiten bei Überprüfungen abgeben. Der Grund ist: Nach Abgabe der Arbeit ist der innere Druck zu Ende. Das Weitere entscheiden die Götter. Von schriftlichen Arbeiten profitieren Kinder nur, wenn sie selbst entscheiden, wann und wie viel sie davon erledigen wollen.
Im Unterricht etwas unverstanden hinnehmen und es nicht sagen ist genauso, wie wenn man auf einer langen Autoreise an einer Raststätte etwas Wichtiges liegen lässt. Über kurz oder lang muss man doch zurückfahren, um es zu holen; also je eher, desto besser.
Intelligente Kinder handeln, als seien sie davon überzeugt, dass die Welt einen Sinn hat. Sie überprüfen ihre Gedanken und Antworten mit dem gesunden Menschenverstand, während andere Kinder von einer Antwort keinen Sinn erwarten, nicht wissen, was Sinn ist und keinerlei Möglichkeit für eine solche Überprüfung haben.
Wer schlecht denken kann, kann keine Aufgabe ohne Lösung ertragen, selbst wenn er weiß, dass die Lösung wahrscheinlich falsch ist. Das panische Streben nach Gewissheit, die Unfähigkeit, ungelöste Fragen und Problemstellungen zu ertragen, scheint vielen Verständnisschwierigkeiten zugrunde zu liegen.
Verängstigte Kinder zeigen in der Schule unintelligentes Verhalten. Dies ist eine Strategie, um Unannehmlichkeiten, Strafe, Tadel und Statusverlust zu vermeiden. Wie gute Soldaten versuchen sie, ihre Furcht unter Kontrolle zu halten und leben mit ihr. Dies hat aber den Nachteil, dass dieses Verhalten destruktiv für Intelligenz und Fähigkeiten ist.
Für viele Kinder ist Inkompetenz von Vorteil: Erwartungen und Forderungen werden verringert, eigene Ansprüche ebenso. Wenn man sich vornimmt zu versagen kann man nicht enttäuscht werden: Man kann nicht aus dem Bett fallen, wenn man auf dem Boden schläft. Die Vorstellung, dass Kinder ohne äußere Belohnung oder Strafen nichts tun würden, mündet in der Aussage: „Wenn ich nicht dazu gezwungen wäre, würde ich nichts tun.“ Das ist das Credo von Sklaven.
Was die Schule für die denkenden Kinder so schwierig macht, ist nicht nur, dass die Lehrer vieles sagen, das anscheinend keinen Sinn ergibt, sonder es überdies exakt so sagen wie das, was vernünftig klingt, so dass das Kind das Gefühl bekommt – wie es das ja auch soll -, es sei ein Fehler, wenn es etwas nicht versteht. Schulen sind eine Art Tempel der Verehrung „richtiger Antworten“, und um weiterzukommen, muss man eine Menge davon auf de