Die Welt existiert nicht - außer, wir nehmen sie wahr Wie kommen die inneren Bilder, die wir uns von der Welt machen, zustande? Wie er-kennen wir, nehmen wir wahr, denken wir? Die Philosophie der Aufklärung suchte im 17. und 18. Jahrhundert nach Antworten auf diese Fragen und ging dabei von der menschlichen Vernunft als der treibenden Kraft der Erkenntnis aus. Der irische Philosoph und Theologe George Berkeley war ein Vertreter des Empirismus, der annahm, dass wir nichts denken können, was nicht auf sinnlichen Wahrnehmungen beruht. Wenn wir einen Tisch wahrnehmen, dann erkennen wir nicht den Tisch selbst, sondern nur die innere Vorstellung von ihm. Berkeley entwickelte diesen Gedanken radikal weiter: Der Tisch existiert überhaupt nur, weil wir ihn wahrnehmen. Dass mehrere Menschen in einem Raum den gleichen Tisch sehen, liegt daran, dass Gott uns ähnliche Wahrnehmungen eingibt; er verhindert, dass jeder in seiner eigenen Welt lebt. Anders als berühmte materialistische Philosophen seiner Zeit war Berkeley ein Idealist, für den nur die Vorstellungen in unserem Kopf existierten. Den Materialismus sah er, der auch als Bischof und Missionar tätig war, als Grund für das Freidenkertum und den Atheismus seiner Zeit, wogegen er kämpfte: Sein Ziel war es, mit seiner philosophischen Arbeit letztlich einen Gottesbeweis vorzulegen.