Eine berückend humane Welt Goethes Drama Iphigenie auf Tauris gilt als ein Meilenstein der Weimarer Klassik. Ebenso kunstvoll wie eindrücklich wird darin vorgeführt, wie ein friedliches Miteinander der Menschen verwirklicht werden kann. Goethe greift dabei auf einen antiken Mythos zurück. Iphigenies Vater will seine Tochter der Diana opfern, doch die Göttin entführt sie vom Altar weg ins ferne Tauris. Dort bringt Iphigenie es zur allseits geschätzten Priesterin, König Thoas begehrt sie sogar zur Frau, aber Iphigenie will selbstbestimmt leben, was ihr als Ehefrau unmöglich scheint. Als ihr Bruder Orest auf Tauris strandet, schöpft sie Hoffnung, doch der König nötigt sie, einen alten Rachekult wieder aufzunehmen und den Bruder zu opfern. Das Drama findet jedoch vor allem dank Iphigenies edler Gesinnung ein Happy End und verhilft Wahrheit und Freundschaft zum Sieg. Iphigenie auf Tauris erfüllt einen Herzenswunsch der Aufklärer: Goethe lässt in diesem Drama den Menschen aus eigener Kraft frei und mündig werden. Selten wurde für diesen Prozess eine derart wohlklingende und innovative Sprache gefunden, selten wurde der Kunst so unbefangen zugetraut, vom guten Leben nicht nur zu träumen, sondern es auch zu realisieren.