Das Grauen des Luftkriegs Was Gert Ledig mit Vergeltung 1956 an Ungeheuerlichem vorlegte, konnte ein Großteil des Publikums und der Kritik nicht verkraften. In der Tat ist dieser Kriegsroman ein überaus hartes, grausames Buch. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken über den Zweiten Weltkrieg, die weit ausholen, um einen historischen Kontext herzustellen, und schließlich das Grauen besänftigen, konzentriert sich Ledig auf die Beschreibung einer guten Stunde brutalen Bombenhagels. Er entfesselt ein Pandämonium der Zerstörung: oben die Bomber, unten die Toten sowie die ums Überleben kämpfenden Menschen. Ledig kommentiert nicht, er schildert die Ereignisse nur, und das in einer atem- und schonungslosen Sprache, die dem Rhythmus der Fliegerstaffeln folgt. Menschen und Ereignisse wechseln im Takt der einschlagenden Brandbomben. Einzelschicksale verschmelzen, Opfer und Täter wechseln ihre Rollen, und am Ende sind die meisten Menschen tot. Kein Grund zur Hoffnung, nur unendliches Leid und grenzenlose Verwüstung.