Vexierspiel mit der Wirklichkeit Lange hat Jan Graf Potocki angeblich an der Verzierung eines Samowars gefeilt, um eine Kugel daraus zu formen und sich damit den Todesschuss zu setzen. Noch länger aber feilte er an diesem Roman, und manchmal hat es den Anschein, als habe er sich selbst verirrt in diesem komplexen Werk. Wer den Erzählfäden folgt, mit denen Potocki seine Leser ködert, wer von all den Abenteuern des Alfons van Worden liest, die dieser im Laufe von 66 Tagen erlebt oder erzählt bekommt, der wird vergebens hoffen, eindeutige Antworten auf die pausenlos aufgeworfenen philosophischen und religiösen Fragen zu erhalten. Denn der Autor legt die Antworten verschiedenen Protagonisten in den Mund und variiert sie: etwa in Diskussionen darüber, ob die Philosophie über den Aberglauben und das Übernatürliche siegt oder was Moral und Tugend wirklich bedeuten. All jene Figuren, die - wie beispielsweise der Clan der Gomelez - sich für eine gemeinsame Sache einsetzen, um gewisse moralische Grundsätze zu verwirklichen, werden letzten Endes ihres Ziels beraubt; die Sinnhaftigkeit zielstrebigen Wirkens wird grundsätzlich in Frage gestellt. Potocki hat mit diesem weithin unbekannten Roman ein äußerst faszinierendes Werk geschaffen, das seiner Zeit weit voraus war und in der Weltliteratur seinesgleichen sucht.