Die Kurzgeschichte ,,Käme doch Schnee" von Gabriele Wohmann handelt von der Beziehung einer Witwe mit Kind, die zwischen
dem Wunsch neu zu
heiraten und der Unsicherheit, die ihr von den Leuten auferlegt wird, schwankt.
Es ist ein kalter Tag und zwei sich liebende Menschen treffen sich an einem Ort, an dem sie sicher sein können, dass sie niemand kennt. Sie sprechen darüber, dass es nicht so weiter gehen kann.
Sie beobachtet den Schwarm von Rabenkrähen, die, wie sie glaubt, eine Vogelschrift bilden und ihr etwas sagen wollen, was ihr die Entscheidung abnimmt beziehungsweise erleichtert.
Er sichert ihr mit ,,dicker Stimme"(61) zu, dass sie heiraten werden.
Die Kurzgeschichte lässt sich in drei Teile unterteilen. Der erste Teil beginnt mit der Zeile 1 und endet mit der Zeile 19. In diesem Abschnitt wird die Umgebung näher
beschrieben ( 1-2 : ,,Der Nebel stockte hinter den Ästen, schneeflockenweiß, die schwarzen Akazienarme hielten ihn mit einer Gebärde starrer Verzweiflung zurück"; 4: ,,Es war zu kalt, um noch auf Bänken zu sitzen.") Des weiteren wird ihr physischer Zustand beschrieben (3: ,,Sie bewegte die klammen Zehen, den Strumpf spürte sie, als wäre er nass (...). Außerdem treten beide Charaktere in einem Dialog in Erscheinung und die ,,Rabenkrähen" (14) werden zum ersten Mal genannt.
Der zweite Teil, in dem der Dialog der beiden Figuren stattfindet und die Rabenkrähen scheinbar alles kommentieren, beginnt in der Zeile 20 und endet in der Zeile 60.
Im dritten und letzten Teil, der die Zeilen 61 bis 67 einschließt, wird noch einmal die äußere Natur beschrieben. ,,Der Nebel klumpte sich, und in die Flockenbündel bohrte der schwarze Keil der Vögel seine Spitze, in die weiche Wolle der Dämmerung - wie Schnee, wie Schlaf, hinter den Astarmen und Zweigfingern(...)"(64-66).
Außerdem wird beschrieben, wie die Vögel mit ihren Lauten verschwinden (...) später als die Vogelkörper schluckte der Qualm die keifenden Rufe", 66 f.).
In dieser Kurzgeschichte ist die personale Erzählhaltung deutlich zu merken, wobei die Frau die Perspektivfigur ist.
Die Frau wird sowohl direkt als auch indirekt charakterisiert. Als sie auf ihren Freund wartet, wird beschrieben, dass sie klamme Zehen hat und ihre Strümpfe und Schuhe nass sind. Daraus geht hervor, dass sie für ihre Liebe viel auf sich nimmt. Es macht ihr nichts aus in der Kälte zu sitzen ( 8 f.: ,,Warum" fragte er, ,,zu kalt oder was?" - ,,Nicht deshalb.".
Dass sie schüchtern sein muss, geht aus folgender Äußerung seinerseits hervor: ,,Irgendwann musst du mich doch mal in die Wohnung lassen". Sie möchte nicht mit ihm zusammen auftreten aus Angst, was die Nachbarn oder die Leute allgemein dazu sagen könnten.
Sie legt also Wert auf Diskretion.
Es wird beschrieben, dass sie träge vor Angst ist, sie auf der Hut sein muss und nicht verpassen darf, was die Vogelschar ihr mitteilen will ( 28: ,,Na ja", sagte sie träg vor Angst: sie durfte es nicht verpassen, sie musste auf der Hut sein(...).
Von den Leuten wird sie verachtet und als ,,Rabenmutter" beschimpft (34: ,,Die Leute hacken auf mir rum: eine Witwe ohne Treu und Herz, das arme arme Kind, Rabenmutter(...).
Eigentlich will sie alles so beibehalten, sich auf der Bank treffen, den Narbenpfad nach Loms entlang gehen und den Nebel um sich haben. Was sie nicht will, ist ,,Wärme unter der Haut(...) Mami Mami und Radiogezeter von unten und Licht aus Nacht liebes gutes Michelchen" (37 bis 41).
Es ist ihr nicht richtig klar, was sie überhaupt will (Zeile 51: ,,Irgendetwas wollte sie bestimmt. Vieles wollte sie nicht, das meiste wollte sie nicht, aber es musste etwas geben, das sie wollte, einen winzigen Wunsch(...).
Sie war sich nicht sicher, ob sie überhaupt ihr Anliegen, dass es nicht so weiter gehen konnte, reden wollte. Sie wollte aber nicht nach Entschuldigungen suchen.
(56: ,,Wegen Michel", sagte sie lahm: was redete sie da, wollte sie etwa reden?).
Es wird auch deutlich, dass sie nach dem ,,Alles-oder-Nichts-Verfahren" handelt (,,,Er müsste sie heiraten. Etwa nicht? Oder den Winter wegbleiben und für immer wegbleiben.", Zeile 30 f.).
Vom Mann erfährt man nur wenig. Man erfährt, dass er sein Auto immer an der Weggabelung stehen lässt und ihr dann bis zum Wäldchen entgegen Läuft ( 20 f.).
Er drängte sie, ihn doch endlich in ihre Wohnung zu lassen und will ihr klar machen, dass es bald zu kalt ist, um sich draußen zu treffen ( Zeile 18: ,,Na also", drängte er, ,,wie soll das im Winter werden, im Freien wird′s bald nicht mehr gemütlich sein").
Es wird sein eifriges mürrisches Gesicht beschrieben, dass vom Laufen durch den Nebel noch rot war ( 42).
Weiterhin wird deutlich, dass er sich in dieser Situation gewöhnt hat(45: ,,Man gewöhnt sich dran(...) man weiß, es geht nicht so weiter, aber man gewöhnt sich dran(...). Er ist derjenige, der klarstellt, dass sie heiraten werden ( 61: ,,Also werden wir heiraten(...).
Es ist ein kalter Herbsttag und es ist fünf Uhr. Beschrieben wird eine ungemütliche Atmosphäre. (kalt, Nebel, Krähen)
Dadurch wird zusätzlich verdeutlicht, dass sie eine enge Bindung zueinander verspüren und dafür viel auf sich nehmen.
Außerdem werden durch das Beschreiben der äußeren Natur innere Vorgänge aufgezeigt.