Shuttle. Was soll man nur dazu schreiben? Haben Sie vielleicht von dem Liam Neeson-Film “Taken” gehört? In dem seine Tochter mit ihrer Freundin nach Paris fliegt und gekidnappt wird? Ja? Sehr gut. Sehen Sie sich lieber den an.
In „Shuttle“ bekommt man fast denselben Plot serviert, mit ein paar kleinen Abweichungen. Die wichtigste vorneweg: „Shuttle“ ist der wesentlich schlechtere Film.
Zwei Freundinnen, Mel (Peyton List) und Jules (Cameron Goodman) landen spätabends am Flughafen von Los Angeles. Sie haben ein letztes gemeinsames Wochenende in Mexiko verbracht, da Mel demnächst heiraten wird. Dummerweise ist Mels Gepäck auf dem Flug verloren gegangen, und so warten die beiden jungen Frauen in der Ankunftshalle auf weitere Informationen. Inzwischen machen sich zwei Burschen mit dummen Sprüchen an sie heran – ganz klar, Frauen die allein nach Mexiko fliegen müssen Schlampen sein. Als das Personal der Fluglinie Mel kurz darauf informiert, dass ihr Gepäck nicht mit der letzten Maschine mitgekommen ist, beschließen die beiden Freundinnen, sich nach einem geeigneten Transportmittel für die Heimfahrt umzusehen. Nach einigem Hin und Her entscheiden sie sich für einen Shuttlebus, dessen Fahrer ihnen das Angebot macht, sie zum halben Preis mitzunehmen – die beiden Jungs schließen sich an. Im Fahrzeug dabei ist auch noch ein ziemlich nervöser Buchhalter.
Nicht lange, und es wird offensichtlich, dass der Fahrer (Tony Curran) des Busses seine eigenen, sadistischen Pläne verfolgt.
So weit, so gut. „Shuttle“ ist ein weiterer „Thriller“ darüber, was passiert, wenn eine Gruppe von Leuten nicht den Mut aufbringt, einen einzigen Mann zu überwältigen, der sie mit einer Schusswaffe bedroht. Was ja noch verständlich wäre, wenn dieser die Waffe ständig auf sie gerichtet hätte, aber der Kerl sitzt am Steuer eines Busses und konzentriert sich auf den Straßenverkehr! Was soll der Sch...?
Als wäre das noch nicht lächerlich genug, bieten sich im Laufe des Films den in Gefahr befindlichen Passagieren jede Menge Gelegenheiten, zu entwischen beziehungsweise den Fahrer einfach niederzuschlagen. Aber nein, sie tun es nicht, und so wird der arme Zuschauer ein ums andere Mal mit solchen „Spannungsmomenten“ genarrt. Die unglaubwürdigste dieser Episoden spielt sich in einem Supermarkt ab.
Allem Anschein nach hat der „Superbösewicht“ vergessen, seine Einkäufe zu erledigen, und so schickt er eines seiner Opfer gänzlich unbewacht(!) los, um für ihn lebenswichtige Dinge wie Müllsäcke, Katzenstreu und eine Taschenlampe zu besorgen. Womit droht er ihr? Sollte sie nicht binnen zehn Minuten zurück sein, wird er mit den anderen davonfahren. Da bekommt man es wirklich mit der Angst zu tun...
Und das ist erst die Spitze des viel zitierten Eisberges was die Dummheiten anbelangt, die einem in diesem Film zugemutet werden. Bei einer Laufzeit von fast zwei Stunden ist der erste Schwung bald verflogen und „Shuttle“ zieht sich immer mehr in die Länge.
Erinnern Sie sich noch an die Szene wie sie in zahllosen Horrorfilmen vorkommt: dem Opfer gelingt es, seinem Peiniger zu entwischen, doch dann macht es etwas völlig Hirnrissiges, wie zum Beispiel die Pistole zu verlieren, nur um wieder eingefangen zu werden? Die Szene, bei der man am liebsten laut aufschreien möchte, weil in dem Moment jeder Rest von Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt?
„Shuttle“ ist genau diese Szene, ausgewalzt auf die Länge eines ganzen Filmes. Zwar mag diese Art von Dummheit auf Seiten des Opfers beim ersten Mal noch zu tolerieren sein, aber wenn sich das Ganze x-mal wiederholt, wie in diesem Fall, dann wird es lächerlich. Spätestens beim dritten oder vierten Mal sollte man sich doch merken, was gespielt wird, und einfach den Abzug betätigen. Ob man sich selbst oder den Peiniger erschießt, ist dann Geschmackssache. Aber in „Shuttle“ passiert das leider nie.
Schlechtes Drehbuch, schlechter Aufbau, schlechte Action, null Spannung. „Shuttle“ ist - abgesehen von den beiden Hauptdarstellerinnen, die sich redlich bemühen - eine einzige Enttäuschung. Tun Sie sich selbst einen Gefallen. Wenn Sie dieses Shuttle irgendwo sehen, laufen Sie weg. Weit weg.