"Professor Unrat" ist der 1905 erschienene erste
größere Erfolg Heinrich Manns. Neben den Romanen "Die kleine Stadt"
und "Im Schlaraffenland" ist er auch mein Lieblingswerk des Bruders
von Thomas Mann. Allen drei Romanen gemein ist die satirisch - kritische
Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Zuständen im Deutschland der
Jahrhundertwende. "Professor Unrat" erhielt zudem weltweite Beachtung, als der Roman in
den zwanziger Jahren mit Marlene Dietrich und Emil Jannings in den Hauptrollen
unter dem Titel "Der blaue Engel" verfilmt wurde. Professor Raat ist Lehrer an der Schule der kleinen unbenannten Stadt. Doch
seitdem Raat Lehrer ist, nennen seine Schüler ihn "Unrat". Unrat ist
ein tyrannischer Lehrer, wie offenbar um die Jahrhundertwende durchaus üblich,
und nur darauf bedacht, den Schülern jedes falsche Verhalten nachzuweisen, um
sie bestrafen zu können. Eines Tages sieht er drei seiner Schüler in einer
Kneipe, in der die "Künstlerin" Fröhlich tanzt. Erst nur darum
besorgt, die Schüler bei dieser Straftat "zu fassen", verliebt sich
der greisenhafte Unrat in die junge Fröhlich und heiratet sie letztendlich. Nun
ist er endgültig aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Vom Schuldienst entfernt,
veranstaltet der ehemalige Professor Parties und Glücksspiele in seiner Wohnung, um der Stadt sein Glück
vorzuführen. Bei diesen frevelhaften Veranstaltungen sind auch immer die Größen
der Gesellschaft zu finden. Trotzdem landet Unrat nach der letzten
Auseinandersetzung mit einem seiner Ex - Schüler im Gefängnis. Heinrich Mann schildert
uns eine offenbar typisch deutsche Lehrergestalt, die sich aber letztendlich
aus der Gesellschaft katapultiert und sich auf fast anarchistische Weise an ihr
rächt. Obwohl dieser Tyrann zum Schluss seine gerechte Strafe erfährt, ist man
als Leser auch auf seiner Seite und leidet mit ihm. Mit diesem Buch hat der Autor seine
eigene Schulzeit reflektiert und sowohl seinen Lehrern als auch der gesamten
ach so anständigen Gesellschaft ein zweifelhaftes Denkmal gesetzt. Eindeutig empfohlen, Weltliteratur mit hohem Spaßfaktor.